Psychische Probleme

Hier nur Fragen, die in keinen anderen Bereich passen - bitte keine Bewerbungsfragen!
DEKKJ

Psychische Probleme

Beitrag von DEKKJ » 18 Sep 2007, 22:07

Hallo zusammen,

ich weiß wohl niemand ließt das was jetzt kommt gern, aber es ist Realität.

Ich leite regelmäßig Kurse zum Erlernen des Autogenen Trainings, was mir besonders auffällt ist der regelmäßig hohe Anteil der Flugbegleiter.

Besonders Beziehungprobleme, Familie und Freundschaften machen ihnen zu schaffen. Meist sind es Personen so um die 40 Jahre.

Wenn Ihr mögt kennt Ihr so etwas auch, eine gewisse Leere.

Viele threads deuten ja darauf hin, z.B. Ansehen des FB, Leben danach und viele mehr.

Danke für Eure Schreiben vielleicht können sie eine gewisse Hilfe für (angehende) Leidensgenossen sein.
Bitte auch wenn Ihr gegenteiliger Meinung seit nur zu.

Holly Golightly
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Re: Psychische Probleme

Beitrag von Holly Golightly » 18 Sep 2007, 22:38

Auffallend ist, dass die meisten FB entweder eine sehr stabile Beziehung haben (jahrelang), oder eben von einem zum anderen flattern.
Ausserhalb der Beziehungen haben viele berufsbedingt wohl eher einen kleinen Freundeskreis, weil sie eben wenig Zeit haben, ihn zu pflegen.
Der unverbindliche Kontakt in den Crews ist ja kein Ersatz für echte Freundshcaften.
Viele suchen sie aber in den Crews, warum sonst erzählen so viele FB so schnell so freizügig sehr privates. Da erfährt man nach 5 Minuten alles über Verdauung, Liebesleben und Kontostand. :-)
Also Dinge, die man eigentlich nur guten Freunden erzählt.

ich kenne es auch, wenn man zu oft Partys usw absagt, weil man fliegen muss, wird man irgendwann nicht mehr eingeladen.

Die Leere, von der Du sprichts, findet man wohl bei vielen FB. Es wird aber alles getan, um es zu verschleiern, oder gar sich einzugestehen, dass da eine Leere ist.
Die meisten versuchen, sie zu betäuben mit vielen Freizeitaktivitäten wie Sport, ausgehen usw.

Schneeflocke
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Re: Psychische Probleme

Beitrag von Schneeflocke » 18 Sep 2007, 23:14

Auf die Gefahr hin, mich nun zu weit zum Fenster heraus zu lehnen, äußere ich hierzu als FAZ in spe meine Meinung:

FB wird man, nachdem die Einstellungsprozeduren überwunden wurden, relativ leicht: man macht dazu keine jahrelange Ausbildung, muß sich also im Vergleich zu einer Ausbildung/einem Studium nicht längerfristig und vertiefend mit einem Thema befassen, muß also auch nicht außergewöhnlich ausdauernd sein, um eine neunwöchige Schulung zu absolvieren. (Bitte nicht so verstehen, dass ich die Schulung für zu leicht halte, aber eine mehrjährige Berufsausbildung ist nun einmal etwas anderes.)

Dann muß man wegen der ständigen Crew-Wechsel keine langfristigen Beziehungen zu Kollegen aufbauen, sondern kann sich immer wieder sagen: "Nach mir die Sintflut", wenn man mal mit unangenehmen Kollegen unterwegs ist.

Im Umfeld wird man wohl eher als Exot angesehen, der einerseits einen Erfahrungshorizont hat, der den der durchschnittlichen Mitmenschen weit übersteigt. Andererseits kennt der "gemeine FB" nicht, wie das ist, jahraus-jahrein täglich ins selbe Büro zu gehen...: Hier haben die anderen einen Erfahrungsvorsprung (gehe jetzt mal von einem Durchschnittsszenario aus).

Das heißt: ein FB "schwebt" ein wenig über dem "normalen" Leben und muß mehr als andere, die durch ihren "bodenständigen" Lebensstil dazu eher "gezwungen" werden, am Charakter arbeiten, um nicht zu verflachen, um nicht von den Ansprüchen abzuheben (Übernachtungen in Hotels, die weit über dem eigenen Einkommensniveau liegen beispielsweise).

Ich glaube, man muß innerlich gut gefestigt sein, um bestimmten Tendenzen gegensteuern zu können.
Auch sollte man wissen, wozu man im Leben steht, bestimmte Fragen schon mit sich geklärt haben, denn ich kann mir gut vorstellen, dass man als FB sehr gut jahrelang sich selbst davon laufen kann.

Mit Zwanzig habe ich mir das nicht zugetraut, auch jetzt möchte ich meinen bodenständigen Lebensstil nicht ganz aufgeben, wünsche mir aber eine gewisse "Farbe" bzw. ein wenig mehr "Oberflächlichkeit" in meinem Leben, weil ich sonst auf Dauer zu ernst und zu tiefsinnig werden könnte (bin berufsbedingt öfters mit schwer Leidenden konfrontiert und komme mir manchmal schon so abgeklärt und vernünftig vor, wie meine eigene Urgroßmutter *gg* - auch nicht so gut).


wolke01
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Re: Psychische Probleme

Beitrag von wolke01 » 19 Sep 2007, 00:45

@ Flocki:

Es ist toll, wie reflektiert Du viele Themen betrachtest und wie wahr so vieles ist, was Du schreibst, weil Du Dich mit so vielen Zusammenhängen der Fliegerei schon befasst hast, bevor Du überhaupt angefangen hast!
Dich wird der "Kulturschock" der Fliegerei bestimmt auch stark abgefedert treffen, bzw. Du wirst die "andere Welt" reflektiert betrachten und Dir nehmen, was Dir davon gefällt und die Finger von dem lassen, was Dir zu oberflächlich ist.

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Re: Psychische Probleme

Beitrag von Schneeflocke » 19 Sep 2007, 10:56

Danke für Deine lieben Worte, Wolke!

ninaeatspie
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Re: Psychische Probleme

Beitrag von ninaeatspie » 19 Sep 2007, 15:41

Flocki - Ich mag, was du schreibst.


Ich muss zugeben, ich habe sehr große Angst davor, davon betroffen zu sein. Mein momentaner Freundeskreis ist nicht "eng" genug, deshalb kann ich mir vorstellen, dass sie sich bald garnicht mehr melden bzw. nicht auf meine Anrufe reagieren werden.
Dazu kommt ja noch die Tatsache, dass die Crews, mit denen man als FB arbeitet, ständig wechselt. Ohne zu viel über mich preisgeben zu wollen: für mich ist das ideal, aber ich habe Angst davor, alleine dazustehen.

Also: Wie kann man das vermeiden?

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Re: Psychische Probleme

Beitrag von TinkaC » 19 Sep 2007, 20:00

Tja, es ist schon was wahres dran, man muß sich wesentlich mehr Zeit nehmen um Freundschaften zu pflegen. Ich bin zum Beispiel halt oft nicht zuhause, wenn das Telefon klingelt und eine Freundin sich mit mir spontan zum Kaffee verabreden möchte. Und auch die kleinen und großen Ärgernisse des Alltags kommen irgendwie immer zeitverzögert zuhause an. Ist schon ein toller Job, aber eben auch in vielerlei Hinsicht anstrengend.
Promis? Igitt, deren Sche**e riecht auch nicht nach Rosen!

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Re: Psychische Probleme

Beitrag von ninaeatspie » 26 Sep 2007, 19:23

Schade, ich hatte gehofft, dieses Thema würde mehr Beiträge anziehen!

DEKKJ

Re: Psychische Probleme

Beitrag von DEKKJ » 26 Sep 2007, 19:25

Niemand hört gern das er dick ist oder andere negative Dinge, die werden eben von den meisten verdrängt.
Siehe auch Strahlung usw.

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Re: Psychische Probleme

Beitrag von ninaeatspie » 26 Sep 2007, 19:31

Ich hätte einfach gerne mehr Erfahrungsberichte gelesen um mich darauf vorzubereiten...meine Angst hab ich ja schon erleutert..

Ich denke aber nicht, dass sich die Leute in diesem Forum angegriffen fühlen.......oder? Ich hoffe es zumindestens nicht! Nicht jeder hat direkt psychische Probleme wegen dem Beruf, der Anteil jener, die diese haben, ist wahrscheinlich einfach nur ein Tick höher als in anderen Berufen.

DEKKJ

Re: Psychische Probleme

Beitrag von DEKKJ » 26 Sep 2007, 19:33

Wenn hier keiner postet ist rein mathematisch davon auszugehen, es gibt keine Probleme dieser Art.
Meine Erfahrungen sprechen allerdings eine andere Sprache.

cannella
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Re: Psychische Probleme

Beitrag von cannella » 26 Sep 2007, 19:38

naja, wer gibt schon gerne zu, psychische probleme zu haben...

ich finde es vollkommen einleuchtend und überzeugend, was Schneeflocke schreibt und schließe mich dem vollkommen an.

aber ich muss auch zugeben, dass die "Risiken" des berufs FB auch gerade mit zu den Gründen gehören, warum ich mich dazu entschieden habe. NEIN, ich bin kein risikoreicher mensch, aber mir gehen die vielen Dinge die ich durch genau diesen Beruf umgehen kann durch den kopf.
ich habe NOCH einen klassischen bürojob, mit allem drum und dran... nette, aber auch zum teil sehr anstrengende kollegen, jeder hält sich für unfehlbar.
dazu kommen ewiges selbstbeweihräuchern, das ständige sägen am nächsten stuhl und diese gier nach karriere und beförderung - das ist nicht meine welt. Dazu kommen zweifel an einem selbst, wenn man gerade nicht auf der liste der beförderten steht und die ständige angst seinen arbeitsplatz verlieren zu können, weil einfach dem geschäftsführer deine nase nicht mehr gefällt (alles schon passiert, oder?).

privat gibt es sicher auch vorteile: ich gebe auch zu, dass man durch einfaches nicht-anwesend-sein nicht funktionierende oder gerade beendete beziehungen einfacher hinter sich lassen kann.... oder?

und - die wirklichen freunde bleiben - egal wie oft man zu hause ist!!!! vielleicht wird durch den job sortiert, aber dann weiß man auch wer wirklich zu einem steht!

Was meint ihr?

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Zuletzt geändert von cannella am 26 Sep 2007, 19:39, insgesamt 1-mal geändert.

JMF
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Re: Psychische Probleme

Beitrag von JMF » 26 Sep 2007, 20:43

cannella schrieb am 26.09.2007 18:38 Uhr:

privat gibt es sicher auch vorteile: ich gebe auch zu, dass man durch einfaches nicht-anwesend-sein nicht funktionierende oder gerade beendete beziehungen einfacher hinter sich lassen kann.... oder?

und - die wirklichen freunde bleiben - egal wie oft man zu hause ist!!!! vielleicht wird durch den job sortiert, aber dann weiß man auch wer wirklich zu einem steht!

Was meint ihr?
Ja, die wirklichen Freunde bleiben, aber man muss sich auch um die selber aktiv kümmern, denn auch die finden es nicht so toll, wenn man das Telefon nie abnimmt (obwohl sie es ja wissen und auch Verständnis dafür aufbringen).

Unregelmässige Arbeitszeiten verbunden mit mehrere Tage weg sein kann etwas ganz praktisches haben. Stehen beispielsweise öde Pflichtveranstaltungen an, so kann man sich da ganz gut ausklinken mit dem Verweis auf die beruflichen Pflichten. Auf der andern Seite verpasst man halt auch sehr viele schöne Feste und Feiern, welche dann wieder etwas verbindendes haben, da man es gemeinsam erlebt hat.

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Re: Psychische Probleme

Beitrag von candy1608 » 27 Sep 2007, 01:28

eine meiner zwei besten freundinnen (wir drei sind seit der vorschule befreundet) ist direkt nach dem abi nach frankfurt gegangen und hat bei der lh als fb angefangen.
ich kann durchaus bestätigen, was ihr hier geschrieben habt- eine zeit lang wirkte es, als lebe sie plötzlich in einer anderen welt, vieles an ihr wirkte aufgesetzt und oberflächlich.
wenn man einen menschen so lange und gut kennt, und durch die entfernung diese entwicklung wenig bis gar nicht mitbekommt, denkt man auf einmal, man sitzt im falschen film. auf der einen seite beneidet man den anderen für dieses aufregebende leben, auf der anderen seite hat man plötzlich das gefühl, kaum mehr etwas gemeinsam zu haben. und es gab lange, lange zeit nur EIN thema: lufthansa.

zum glück haben wir die kurve gekriegt, unsere freundachft hat auhc diese zeit überstanden!
ich habe sie dann auch in frankfurt besucht und mit der zeit und ich denke mal der "normalität", die dieser job dann im laufe der jahre doch mit sich bringt, ist meine freundin heute bodenständiger als je zuvor! sie ist dann auf teilzeit gegangen, ist wieder zurück nach berlin gezogen und hat mittlerweile sogar nebenbei ein studium erfolgreich abgeschlossen.

ich denke, sie war damals einfach ziemlich jung, genau was flocki erwähnt hat, und hat sich vom "lifestyle" sehr beeindrucken lassen.
ich bin froh, sie jetzt, wo es für mich losgeht, an meiner seite zu haben, da sie mir viele tips geben kann und ich mich darauf verlassen kann, dass sie mich jederzeit auf den boden der tatsachen zurückholen wird!
wir freuen uns schon, wenn wir es schaffen sollten, einmal gemeinsam an bord zu arbeiten und zusammen lay-over zu haben, das wäre wirklich ein traum!

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Re: Psychische Probleme

Beitrag von cannella » 27 Sep 2007, 10:44

ja, die Freundschaften sind doch letztendlich das wichtigste, und dass man sich darum kümmern muss, das haben wir doch alle schon festgestellt, egal in welchem beruf wir gerade tätig sind, oder?

ich freue mich auf die FREIHEIT, die ich durch den beruf FB erhalten werde...
auch wenn ich mir bewusst sein sollte, dass natürlich nicht alles sonnenschien sein wird. eine große psychische belastung kommt sicher auch auf einen zu. immer freundlich sein, 15 stunden am stück lächeln obwohl einem vielleicht gerade gar nicht danach ist stumpft einen sicher ab, ständig die fassung bewahren, ist sicher nicht einfach.
man kann nun mal nicht wie im büro einfach mal kurz abschalten, ein paar private e-mails schreiben oder eine freundin anrufen.

Sicher ist es komisch, ständig in eine komplett andere welt einzutauchen - aber das ist ja auch der grund warum wir es machen, oder?
und vielleicht lernt man auch, sich wieder richtig auf ZU HAUSE zu freuen....

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Re: Psychische Probleme

Beitrag von Sternchen83 » 29 Sep 2007, 07:40

Ich denke man muss der Realität ins Auge schauen.

Ich fliege ja noch nicht - äußere mich also als "Bodenmensch".

Freundschaften und soziale Kontakte sind mir sehr wichtig! Zur Zeit arbeite ich ja noch als Krankenschwester - ein Beruf, der mich für mein weiteres Leben geprägt hat. Das mag sich jetzt vielleicht blöd anhören. aber es ist so!

Ich habe z.B. viele kennengelernt, die gesagt haben: "Im Alter wollten wir es uns so schön machen..." - und dann ist der Partner gestorben oder es gab gesundheitliche Einschränkungen. Das hat mich dazu bewegt das Hier und Jetzt zu genießen und meine Träume wahr zu machen - ich möchte später nicht sagen: "Ach hätt ich doch...."

Vom jetzigen Standpunkt aus möchte ich nach Möglichkeit für immer fliegen - aber wer weiß was in 10 Jahren ist!?!? (Dazu ein Zitat aus meinem Lieblingsfilm: "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen - man weiß nie was kommt!")

15 Stunden lang Lächeln - das musste ich in meinem Beruf bisher auch oft! Aber ab und an konnte ich auch mit weinen. Ich denke es ist wichtig einen Ausgleich zum Job zu haben. Dem einen hilft Sport, der nächste liest gerne, geht gerne in die Sauna oder macht was weiß ich was.

Viele verbinden mit dem Beruf als FB gewisse Vorurteile - z.B. "lifetsyle" - das der Beuf des FB aber mit Sicherheit auch anstregend ist sehen viele nicht. Ich denke es kommt immer auf den Menschen an, was er draus macht. Man kann nicht alle über einen Kamm scheren.

Meine Freunde und mein dann Mann unterstützen mich in meinem Berufswunsch. Durch meinen 3-Schichtdienst kommt es auch vor, das man sich mal eine Woche nur die Klinke in die Hand gibt und sich wenig bis gar nicht sieht. Es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht! Und Krisen sind dazu da um sie zu meistern!

Meine Freunde würden mich schon schnell wieder auf den Boden der Tatsachen holen sollte ich "abheben" - was ich allerdings nicht denke, da es nicht in meinem naturell liegt. Ich werde eben dann nur eine Uniform und Make-up tragen - innerlich bleibe ich dieselbe.

Ich denke, dass ist die "Festigkeit" von der Flocki auch schon gesprochen hat.

Zuletzt geändert von Sternchen83 am 29 Sep 2007, 07:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Mennix
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Re: Psychische Probleme

Beitrag von Mennix » 29 Sep 2007, 08:26

jessi83 schrieb am 29.09.2007 06:40 Uhr:
Ich denke man muss der Realität ins Auge schauen.

Ich fliege ja noch nicht - äußere mich also als "Bodenmensch".

Freundschaften und soziale Kontakte sind mir sehr wichtig! Zur Zeit arbeite ich ja noch als Krankenschwester - ein Beruf, der mich für mein weiteres Leben geprägt hat. Das mag sich jetzt vielleicht blöd anhören. aber es ist so!

Ich habe z.B. viele kennengelernt, die gesagt haben: "Im Alter wollten wir es uns so schön machen..." - und dann ist der Partner gestorben oder es gab gesundheitliche Einschränkungen. Das hat mich dazu bewegt das Hier und Jetzt zu genießen und meine Träume wahr zu machen - ich möchte später nicht sagen: "Ach hätt ich doch...."

Vom jetzigen Standpunkt aus möchte ich nach Möglichkeit für immer fliegen - aber wer weiß was in 10 Jahren ist!?!? (Dazu ein Zitat aus meinem Lieblingsfilm: "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen - man weiß nie was kommt!")

15 Stunden lang Lächeln - das musste ich in meinem Beruf bisher auch oft! Aber ab und an konnte ich auch mit weinen. Ich denke es ist wichtig einen Ausgleich zum Job zu haben. Dem einen hilft Sport, der nächste liest gerne, geht gerne in die Sauna oder macht was weiß ich was.

Viele verbinden mit dem Beruf als FB gewisse Vorurteile - z.B. "lifetsyle" - das der Beuf des FB aber mit Sicherheit auch anstregend ist sehen viele nicht. Ich denke es kommt immer auf den Menschen an, was er draus macht. Man kann nicht alle über einen Kamm scheren.

Meine Freunde und mein dann Mann unterstützen mich in meinem Berufswunsch. Durch meinen 3-Schichtdienst kommt es auch vor, das man sich mal eine Woche nur die Klinke in die Hand gibt und sich wenig bis gar nicht sieht. Es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht! Und Krisen sind dazu da um sie zu meistern!

Meine Freunde würden mich schon schnell wieder auf den Boden der Tatsachen holen sollte ich "abheben" - was ich allerdings nicht denke, da es nicht in meinem naturell liegt. Ich werde eben dann nur eine Uniform und Make-up tragen - innerlich bleibe ich dieselbe.

Ich denke, dass ist die "Festigkeit" von der Flocki auch schon gesprochen hat.

Ganz ganz ehrlich gemeint: Ich gratuliere dir, du scheinst die richtige Wahl getroffen zu haben, und zu wissen, was auf dich zukommt.

Viel Spaß in the air.

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Re: Psychische Probleme

Beitrag von Sternchen83 » 29 Sep 2007, 11:13

Danke für die Blumen :-)
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Leilani

Re: Psychische Probleme

Beitrag von Leilani » 29 Sep 2007, 13:36

hey, also ich sag mal so, ich würd auch nen autogenes training machen, nicht weil ich irgendwelche probleme habe sondern um im berufsstress zu vermeiden, dass ich dabei untergeh... um zu lernen, richtig abzuschalten, ich kenne viele, die das nciht können, zu hause noch sind wie im büro und das, so denke ich, wird sie mit den jahren kaputt machen..

ich glaub grad als fb ist es wichtig sich zu sagen: zu hause ist zu hause, kontakte zu pflegen, da es grad in dem gebiet sehr schwer ist

winglet
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Re: Psychische Probleme

Beitrag von winglet » 29 Sep 2007, 13:39

Jetzt melde ich mich auch mal ans Noch-Nichtflieger zu Wort, das Thema hat durch die vielen tiefgründigen Postings mein Interesse gewonnen.

Ich denke, man muss generell den Begriff "psychische Probleme" netwas differenzierter betrachten.
Ist es denn schon ein psychisches Problem, wenn man über die großen Veränderungen, die einem beim Start ins Fliegerleben unsicher ist, sie nicht so recht einschätzen kann, wie es ninaeatspie beschreibt? Der Beruf an sich hat doch ganz einfach sehr wenig Parallelen zu "bodenständigen" Tätigkeiten, die man vielleicht vorher ausgeübt hatte. Bis jetzt mag sich vielleicht der Beruf um das Leben drappiert haben, als FB scheint es doch oft genau andersrum zu sein: Man zieht über weitere Strecken um, die man für einen normalen Job nicht in Kauf genommen hätte, man gibt seinen eingespielten Alltag mit all seinen eintrainierten Verhaltensweisen auf, man verändert sein ganzen bisheriges Leben rund um den Beruf.
Dass man sich vor einer solch großen Veränderung, die man, besonders wenn man so jung ist wie ninaeatspie, zuvor evtl. noch nie auf sich nehmen musste, fürchtet, das ist an sich wohl selbstverständlich.

Die angesprochene Leere oder das große Fragezeichen nach der Zeit als FB könnte man genauso sehen. Ein Wechsel zurück in ein "geregeltes" Berufs- und Privatleben mag für viele langjährige Flieger wiederum eine große Veränderung darstellen, mit der man anfangs vielleicht gar nicht zurechtkommen mag. Der eingeschworene Alltag, egal ob nun in der Luft oder mit Partner und Familie, wird wiederum auf den Kopf gestellt. Damit zurechtkommen muss man aber im Endeffekt selbst - und da ist der Punkt, an dem sich viele sicherlich schwer tun. Wenn der Freundeskreis praktisch neu aufgebaut werden müsste, die Partnerschaft neuen Belastungen standhalten muss.

Ich kann natürlich noch nicht aus dem Fliegerleben sprechen, aber hoffe, dass meine Betrachtungen vielleicht doch etwas mit der Realität zu tun haben. "wink.gif" "0">



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